
Im November 2025 veröffentlichten wir eine umfangreiche Recherche über Neonazis in der hiesigen Leipziger Subkultur und darüber hinaus. Dabei thematisierten wir auch den Leipziger Felsenkeller. An vielerlei anderen Stellen machten Antifaschist_innen bereits auf einschlägige Konzerte rechter Neofolk-Bands am genannten Ort aufmerksam. Trotz zunehmender Berichterstattung in Leipziger Medien sowie Kritik aus der Nachbarschaft des Felsenkellers, hält dieser an einer am 31.01.2026 geplanten Austragung der „Neofolk Night“ in seinen Räumlichkeiten fest. Wir nehmen das zum Anlass, erneut Protagonist_innen der Szene sowie die extrem rechten Verbindungen der auftretenden Bands, Labels und Organisatoren zu beleuchten.
Exkurs: Neofolk, was ist das eigentlich?
Neofolk ist eine Musikrichtung, die in ihren Stilmitteln von athmosphärischem Sound und dem Einsatz von akustischen Instrumenten geprägt ist. In Abgrenzung zum herkömmlichen Folk klingt Neofolk somit deutlich düsterer. Inhaltlich kreisen viele Neofolk-Interpret_innen in ihrer Musik um Begriffe wie Heimat, Heidentum und Tradition. Anleihen werden beim Faschismus und Nationalsozialismus sowie dessen Vordenkern gemacht. Inhaltlich wird häufig auf Personen wie den italienischen „Rassentheoretiker“ und Antisemiten Julius Evola oder den deutschen Schriftsteller Ernst Jünger Bezug genommen. Die Werke der beiden gehören zur Pflichtlektüre der sogenannten „Neuen Rechten“ in Deutschland. Ästhetisch greift man im Neofolk oftmals auf diverse, im historischen Nationalsozialismus popularisierte, Runen sowie auf explizite Symbole wie den „SS-Totenkopf“ oder das Symbol der „Schwarzen Sonne“ zurück.
Wegbereiter für das Genre und die wahrscheinlich bekannteste Band des Neofolk ist die britische Gruppe „Death in June“. Ursprünglich gehörten zu der Band neben dem Frontmann Douglas Pearce die Mitglieder Patrick Leagas und Tony Wakeford. Letzterer war zudem Gründer der Neofolk-Band „Sol Invictus“ und einst Mitglied der britischen Neonazi-Partei „National Front“. Nach dem Ausstieg seiner Bandkollegen führte Douglas Pearce die Band weiter und konnte dabei immer wieder auf Unterstützung und Kooperationen mit anderen Musikern zählen. Das Bandlogo von „Death in June“ bildet ein modifizierter SS-Totenkopf. Kein Zufall, denn auch an anderen Stellen nutzt Pearce NS-Symbolik. Etwa im Cover-Artwork der Wiederveröffentlichung des Albums „Night and Fog“. Zu sehen ist dort Ernst Röhm, Chef der Sturmabteilung im Nationalsozialismus, zwischen anderen SA-Männern. In einem Interview mit der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ im Jahr 1997 schwärmt Pearce folgerichtig, dass er ein »großer Bewunderer von Leni Riefenstahls Arbeit während des Dritten Reiches« sei. Auch zu politischen Debatten äußerte sich Pearce immer wieder seiner extrem rechten Gesinnung entsprechend. Die rassistischen Pogrome Anfang der 1990er Jahre in Deutschland kommentierte er in einem Interview mit den Worten: »Hast du jemals Tür an Tür mit Zigeunern gelebt? Ich kann den Groll, der in Ostdeutschland zum Vorschein kommt, verstehen (…)«.

Rechter Neofolk in Leipzig
In Leipzig stand „Death in June“ bei der letzten Auflage des „Runes + Men“-Festival im Jahr 2016 im Leipziger Eventpalast auf der Bühne. Neben dem „Runes + Men“-Festival, das mehrere Jahre in Folge stattfand, gab es mit dem „Fire & Sun“-Festival ein weiteres Come Together der rechten Neofolk-Szene im Leipziger Raum. Den Schauplatz dafür bot das Leipziger Schloss Knauthain, Veranstalter beider Festivals war die sich als unpolitisch bezeichnende „Enquinoxe Organization“. „Runes and Men“ lautet auch der Titel eines Songs von „Death in June“.
Im Jahr 2016 ließ sich der extrem rechte Verleger Götz Kubitschek einen gemeinsamen Besuch mit seiner Frau Ellen Kositza bei einem der Konzerte am Schloss Knauthain nicht nehmen. Auch Uwe Nolte, Till-Lucas Wessels und Nicolas Schulmann zeigten sich 2017 beim „Fire & Sun“ gemeinsam. Nichts was allzu sehr überrascht, wenn man sich die Strukturen hinter dem Schloss Knauthain anschaut: So war es von 2009 bis 2024 Sitz der „FIO Systems AG“, zu deren Vorstand Nicolas Schulmann gehört. Schulmann ist kein Unbekannter. Im Herbst 2019 wollte er das Schloss Reinsberg kaufen und der „Identitären Bewegung“ (IB) zur Verfügung stellen. Aufgeflogen ist das Ganze nur, weil er zum Beischtigungstermin die IB-Kader Philip Thaler und Till-Lucas Wessels mitbrachte. Die Gemeinde übte daraufhin ihr Vorkaufsrecht aus, um zu verhindern, dass das Schloss in die Hände der IB fällt. Dies gelang nur zeitweilig. 2021 kaufte die Unternehmerin Mathilda Martina Huss das Objekt, wodurch es in das extrem rechte Netzwerk eingegliedert wurde.

Bereits 2024 und 2025 veranstaltete Jan-Steven Fricke mit seinem Label „ONLY the SUN KNOWS“ Neofolk-Konzerte im Leipziger Felsenkeller. Während 2024 die italienische Neofolk-Band „Spiritual Front“ und das Projekt „Grave of Love“ auftraten, folgten 2025 die Bands „Death in Rome“, „Zugzwang“ und „Zwischenlichten“. Angekündigt als Special Guest fand sich 2025 zudem das Solo-Projekt „Herr Lounge Corps“ im Line-Up wieder, hinter dem Miro Snejdr steckt. 2023 wurde ein Konzert von ihm und der Band „Death in Rome“ im Leipziger Bandhaus abgesagt. Gleiches gilt für ein Konzert der beiden Bands auf dem Berliner RAW Gelände, nachdem es vor Ort zu Protesten gekommen war. Snejdr, der seine Musik beim Label „ONLY the SUN KNOWS“ veröffentlicht, ist ein enger Weggefährte von Douglas Pearce. So unterstützte er Pearce und „Death in June“ ab Dezember 2013 bei fast allen Auftritten als Live-Musiker. Ein kurzer Blick in das Instagram-Profil von Snejdr bzw. „herr_lounge_corps“, gibt zudem einen Einblick in die Weltanschauung des Musikers. Zu finden sind dort Memes, die man aus extrem rechten Chatgruppen kennt und Snejdr selbst posiert u.a. im Shirt der NS-Black Metal-Band „Burzum“.

Angesichts der zunehmenden Kritik am kommenden Konzert im Felsenkeller veröffentlichte Jan-Steven Fricke auf der Onlinepräsenz seines Labels ein Statement, in dem es heißt: »Parteienpolitik, antisemitische, rassistische, homophobe, faschistische, extremistische, menschenverachtende, radikale Hetze, Tendenzen, Ideologien, nebst Parolen, Symbolen die in diesem Kontext stehen sollten, sind hier absolut unerwünscht und haben haben mit OtSK NICHTS gemein!«. Wie ernstzunehmend diese Verlautbarungen Frickes – der sich selbst gerne in Shirts von „Death in June“ präsentiert – zu nehmen sind, zeigen die folgenden Beispiele.
„Death in Rome“, welche 2025 im Felsenkeller auftreten konnten, sind vor allem für ihre Cover von Pop-Songs im Neofolk-Stil bekannt. Dabei bedienen sie sich immer wieder NS-verherrlichender und relativierender Bildsprache. So unterlegt die Band ein Video ihres Cover-Songs „Barbie Girl“ auf ihrem YouTube-Kanal mit einem Bild von Klaus Barbie, einem NS-Kriegsverbrecher, welcher als „der Schlächter von Lyon“ bekannt wurde. Die Cover-Version von „Wildest Dreams“ von Taylor Swift wird unterdessen mit Filmmaterial aus Leni Riefenstahls NS-Propagandafilm „Olympia“ untermalt.

Für die „Neofolk Night“ am 31.01.2026 im Felsenkeller wird unter anderem „Darkwood“ aus Dresden angekündigt. Die Band steuerte 2001 ein Lied für den Sampler „Codreanu: Eine Erinnerung an den Kampf“ bei, die eine Hommage an den rumänischen Faschisten Corneliu Zelea Codreanu darstellt. Heute heißt es seitens der Band, dass dies lediglich ein »Fanprojekt ohne Bandinterne Bedeutung« gewesen sei. Weiter heißt es, die Compilation stehe »in keinster Weise stellvertretend für die Darkwood Discographie«. Es scheint sich dabei um Lippenbekenntnisse zu handeln, denn nur wenige Jahre nach diesem Sampler-Beitrag veröffentlichte die Band den Song „Nibelungenland“ auf ihrem Album „Notwendfeuer“. Der Text zum Lied stammt aus der Feder des glühenden Antisemiten und zum NSDAP-Ehrenmitglied ernannten Hitler-Verehrers Adolf Bartels. Darüber hinaus finden sich auf dem 2015 erschienenen Album „Flammenlieder“ weitere Bezüge zum Nationalsozialismus. Wer noch nicht beim Text des Liedes „Deutsche Sonnenwend“ stutzig wird, sollte dies spätestens beim Autor werden: SS-Obersturmführer und NS-Propagandist Gerhard Schumann. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete dieser 1962 den extrem rechten „Hohenstaufen Verlag“. Produktionen von „Darkwood“ wurden zudem über das extrem rechte Label „Lichterklang“ abgewickelt. Auch „Leger des Heils“ und „Zugzwang“ veröffentlichten dort. Beide Bands gehören zum Reportoire von Frickes Label „ONLY the SUN KNOWS“.
Erwähnenswert ist in dem Zusammenhang auch Mario Krieg aus Ostsachsen, der bei „Darkwood“ am Schlagzeug sitzt. Er gehört als Live-Musiker nicht nur dem rechten Neofolk-Projekt „Barditus“ an, sondern unterhält privat auch freundschaftliche Verbindungen in die Neonazi-Szene. Etwa zu Personen aus dem verbotenen „Blood & Honour“-Netzwerk, das heute u.a. als „Crew 28 Europe“ auftritt. Bei der Vielzahl an extrem rechten Bezügen der Band „Darkwood“ kann von einem Versehen kaum die Rede sein.

Beschäftigt man sich eingehender mit dem Statement des Felsenkellers und des Konzert-Veranstalters Jan-Steven Fricke, stößt man auf eine weitere krude Einordnung, welche die angekündigten Band „Espacio Vital“ (dt. „Lebensraum“) betrifft. So heißt es: »Ein Vergleich mit den Symbolen des NS-Regimes erübrigt sich, da diese uralten Zeichen vom faschistischen Franco-Regime massiv verfolgt und verboten wurden.« Ein Blick auf die Facebook-Seite von „Espacio Vital“ reicht jedoch aus, um der extrem rechte Gesinnug der Band auf die Spur zu kommen. So folgt „Espacio Vital“ nicht nur der Seite „Exposing Feminism 2.0“, die extrem misogyne Positionen teilt, sondern auch der deutschen Neonazi-Partei „Die Heimat“. Abgerundet wird das extrem rechte Social Media-Potpourri von einschlägig bekannten Bands, etwa „Kalmankataja“, „Allerseelen“ oder einer Fanseite von „Burzum“, aus dem extrem rechten Musikspektrum.

Weiterer Gast des Abends ist der chilenische Musiker „Der Arbeiter“, der neben Textspuren des von der extremen Rechten verehrten Antisemiten Martin Heidegger ein ganzes Album inspiriert vom chilenischen Holocaustleugner und Esoteriknazi Miguel Serrano veröffentlicht hat. Serrano hatte sein Leben lang gute Kontakte zu Alt- und Neonazis. Bei der Beerdigung des nach Chile geflüchteten NS-Kriegsverberches Walter Rauff im Mai 1984 kondolierte Serrano mit dem Hitlergruß.
Die wohl bekannteste Band, die für die „Neofolk Night“ im Januar angekündigt wird, ist „Spiritual Front“. Diese kokettiert weniger offensiv mit Bezügen zur extremen Rechten. Die Hörerschaft weiß jedoch um die Rolle der Band innerhalb des rechten Neofolk-Milieus. Auf dem Sampler für den rumänischen Faschistenführer Corneliu Zelea Codreanu, war auch „Spiritual Front“ vertreten und Berührungsängste zum rechten Rand der Szene besitzt die Band keine. 2016 begleiteten sie „Death in June“ als Support auf deren „Last Europa Kiss“-Tour.
Konzertveranstalter Jan-Steven Fricke versucht in Statements ein weltoffenes Image zu etablieren. Zugleich pflegt er freundschaftliche Kontakte zum Neonazi Uwe Nolte aus dem Raum Halle (Saale) und besucht Veranstaltungen des extrem rechten „Orphischen Kreises“. Der in der Neofolk-Szene vor allem mit seinen Musik-Projekten „Orplid“ und „Barditus“ bekannte Nolte ist bestens in der extremen Rechten vernetzt. Er unterhält Verbindungen zum untergetauchten Hallenser Neonazi Sven Liebich, zum rechten Burschenschafter der „Hannoversche Burschenschaft Ghibellinia-Leipzig“ Gero Mielczarek, mit dem auch Fricke bekannt ist, und zu Kadern der „Identitären Bewegung“. 2019 war Nolte sogar für ein Konzert im „Flamberg“, dem ehemaligen Hauptquartier der IB in Halle (Saale), eingeladen.

Beim „Orphischen Kreis“ hält Nolte gemeinsam mit dem Dichter Carsten „Baal“ Müller und dem Musiker Rudolf Seitner verschiedene Veranstaltungsformate ab. Diese erstrecken sich von Wanderungen bis hin zu Liederabenden und haben dabei stets den Anspruch, rechts-intellektuelle „Kultur“ anzubieten. Das Publikum des „Orphischen Kreises“ bildet eine Melange aus „Neuheiden“, (völkischen) Neonazis und der Neuen Rechten. Das Trio Nolte, Müller und Seitner fällt immer wieder als Teilnehmer von Veranstaltungen der extremen Rechten auf. Baal und Nolte waren im November 2025 Jahres auf der extrem rechten Buchmesse „SeitenWechsel“ zu Gast, während Seitner im September 2025 bei einem „Kulturfest“ der „Identitären Bewegung“ in Steyregg (Östereich) teilnahm.
Diese Umtriebe scheinen Jan-Steven Fricke nicht zu stören. Schließlich nimmt er selbst an Veranstaltungen des „Orphischen Kreises“ teil, etwa an den „Questenwanderungen“ im Südharz.

Fazit
Es zeigt sich, dass weder Fricke als Label-Chef und Veranstalter des Konzerts noch der Leipziger Felsenkeller der Verantwortung nachkommen, sich glaubwürdig gegen Rechts zu positionieren. Die bestehende Verbindungen der für den 31.01.2026 angekündigten Bands in die extreme Rechte sowie die rechten Inhalte der Bands werden relativiert und geleugnet. Mehr noch: Der Felsenkeller erhöhte sogar das Ticket-Kontingent und hat angekündigt, das Konzert im Ballsaal auszutragen. Es ist zu erwarten, dass das Konzert am 31.01.2026 zum Treffpunkt der extrem rechten Musikszene wird.
