
Mehrere hundert Personen fanden sich zur Premiere des Kampfsport-Events am 07.03.2026 in Teutschenthal, westlich von Halle (Saale), ein. Maßgeblich organisiert vom rechten Hallenser Gym „Gladiator Fight Academy“, konnte dafür ein Gemeindezentrum angemietet werden, das bis zum Vorabend des Events als Austragungsort geheim gehalten wurde. Am Tag selbst wurde die Ortschaft durch zahlreiche Polizeikräfte abgeriegelt, die anreisende Kämpfer_innen sowie Gäste kontrollierten.
13 Kämpfe waren angesetzt, die Mehrheit davon war mit Personen besetzt, die in der rechten Hooliganszene aktiv sind. Auch eine ausführliche Recherche zu den Verstrickungen der antretenden Kämpfer veranlasste die Veranstaltenden der „Gladiator Fight Series“ nicht dazu, zumindest die offensichtlichen Neonazis von der Fightcard zu streichen. Und so wurde das Event – wie erwartet – zum Schaulaufen der überregionalen extrem rechten Hooligan- und Neonaziszene, das sich auch bekannte Akteure der sogenannten „Neuen Rechten“ nicht entgehen ließen.
Kämpfer und Unterstützer aus Leipzig

Etwa zwei Drittel der nach Teutschenthal gereisten Personen können dem Ultra- und Hooliganmilieu zugerechnet werden. Unter ihnen waren nicht wenige Neonazi-Hooligans aus Leipzig. Mit den Kämpfern Luca Sonntag und Mathias Friederich waren diese auch im Ring vertreten. Beide gehören dem „Imperium Fight Team“ (IFT) um den Neonazi Benjamin Brinsa an und wurden in Teutschenthal vom IFT-Kollegen und rechten Hooligan Paul Hoffmann sowie dem Leipziger Rechtsanwalt Denis Van Ngoc begleitet. Letzterer war gemeinsam mit Benjamin Brinsa schon im November 2025 Teil des Betreuerstabs des IFT, als der Neonazi-Hooligan Fabian Nebe bei der Veranstaltung „Gladiator Arena 20“ in Polen kämpfte. Der Öffentlichkeit ist Van Ngoc auch deshalb bekannt, weil er beste Kontakte in die Landespolitik besitzt. Bis 2014 unterhielt er eine gemeinsame Kanzlei mit dem späteren sächsischen Justiz- und heutigen Staatsminister für Wissenschaft, Sebastian Gemkow (CDU). Dieser Umstand allein sorgte zum Zeitpunkt des Bekanntwerdens für wenig Entrüstung in der sächsischen Öffentlichkeit. Ein gewisses mediales Interesse rief es allerdings hervor, als im November 2015 u.a. einer von Van Ngocs Freunden aus dem IFT, der Neonazi-Hooligan Thomas Kuhbach, ausgerechnet die Wohnung des Ministers mit Buttersäure angriff. Vermutlich aus Versehen, denn der Angriff galt eigentlich einer linken Wohngemeinschaft, die Kuhbach in dem Haus vermutete. Van Ngoc war jedoch nicht der einzige Jurist, der bei der „Gladiator Fight Series“ anwesend war. Ein anderer Rechtsanwalt, Stefan Wuttke aus Halle (Saale), unterstützte die Veranstaltenden in Teutschenthal in ihren rechtlichen Belangen und soll u.a. bei der Anmietung des Austragungsortes zur Seite gestanden haben. Wuttke war schon im Juni 2024 im (rechten) Kampfsportgeschehen involviert, als er die rechtlichen Interessen des Veranstalters der „Ranking Fights“ in Halle (Saale) vertrat. „Weltoffen und unpolitisch“ sei das Event, äußerte Wuttke damals gegenüber einer Lokalzeitung. Eine Beschwichtigung öffentlicher Kritik, denn auf der Fightcard standen bereits bei diesem Event einige einschlägig bekannte Neonazi-Hooligans aus der „Gladiator Fight Academy“ und vom „Imperium Fight Team“.
Aus dem organisierten und mehrheitlich rechten Hooliganmilieu des 1. FC Lokomotive Leipzig (LOK) waren am 07.03.2026 außerdem zahlreiche weitere Personen zur Unterstützung „ihrer Kämpfer“ vor Ort. Etwa oben genannter Thomas Kuhbach samt Partnerin, Andreas Schumer, Lukas Müller, Steve Griefenow und Benjamin Schölzel. Allesamt sind zudem Mitglieder im rechten „Rowdys Motorcycleclub“ (MC), der aktuell ein Sponsor des IFT ist. Ein Großteil der Genannten fand sich auf dem Event im VIP-Bereich ein, begleitet u.a. vom rechten Influencer Max Schubert und seiner Partnerin, die unter dem Namen „Vaiana Moon“ in sozialen Netzwerken um Aufmerksamkeit buhlt.

Aus dem engsten Umfeld des „Rowdys MC“ reisten zudem Alexander Lohse, David Sturm, Dittmar Schumer, Peter Kühnel, Rocco Hahn, Dennis Wessel und Ronny Gläßer nach Teutschenthal. Die genannten Personen sind seit Jahrzehnten in der regionalen Neonazi-und Hooliganszene aktiv und gehören damit einem Milieu an, das für zahlreiche Gewalttaten verantwortlich ist. So beteiligte sich Rocco Hahn schon am Überfall auf linke Fußballfans in Brandis 2009, Alexander Lohse, Dittmar Schumer, David Sturm, Dennis Wessel und Peter Kühnel waren u.a. Teil des koordinierten Angriffs auf Geschäfte und Personen im Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar 2016. Gläßer nahm vor allem in den letzten Jahren an Ausflügen der extrem rechten Hooliganszene Leipzigs teil, etwa zu einem Spiel von SS Lazio Rom im November 2023. Damals hatte sich Gläßer, gemeinsam u.a. mit Benjamin Brinsa und Thomas Kuhbach, aktiv an den Ausschreitungen im Stadion beteiligt.

Eine andere Gruppe kampfsportaffiner, neonazistischer LOK-Fans reiste aus dem nordsächsischen Delitzsch nach Teutschenthal. Zur Reisegruppe gehörten Eric Schmidt, Marc Weiße, Christoph Roßmann und Robin Fehrmann, die in der Vergangenheit mit weiteren Neonazis und LOK-Fans in Delitzsch unter dem Namen „Syndikat 26“ in Erscheinung traten. Neben Kampfsporteinheiten in privaten Räumlichkeiten, an denen sich u.a. auch Hooligans aus Halle von der „Gladiator Fight Academy“ beteiligten, besuchen insbesondere Eric Schmidt, Marc Weiße und der in der Fanszene von LOK umtriebige Christian Buttgereit regelmäßig Trainingseinheiten im Leipziger „Bushido Sportcenter“ oder im Gym des IFT um Benjamin Brinsa in Taucha.
Aus ihrer extrem rechten Gesinnung macht die Gruppe keinen Hehl. So besuchten sie etwa einen Neonaziaufmarsch in Magdeburg am 21.12.2024. Zudem begeht die Gruppe jährlich zum Volkstrauertag ein geschichtsrevisionistisches „Heldengedenken“.

Hooliganszenen mit internationalem Bezug
Stark vertreten waren in Teutschenthal zudem die rechten Hooliganszenen des lokalen Halleschen FC (HFC) sowie des FC Rot-Weiß Erfurt (FC RWE). Eine vor Ort unübersehbare Präsenz, die auch aus dem freundschaftlichen Verhältnis der anwesenden Fußballszenen aus Leipzig, Halle und Erfurt herrührt. Offiziell für die „Gladiator Fight Academy“ und inoffiziell für die „Sportgruppe Halle“, der Hooligangruppierung des HFC, trat auf dem Event u.a. Hannes West an. Angekündigt war ursprünglich zudem der Hallenser Hooligan Lukas Kötter, der jedoch kurzfristig seinen Kampf absagte.

Die Teilnahme der Erfurter Fanszene ist u.a. auf Theo Weiland zurückzuführen, der nicht nur Mitbetreiber der „Gladiator Fight Academy“ ist, sondern auch der Führungsriege des „Jungsturm“ angehörte, der extrem rechten Hooligangruppe des FC RWE. Gegen die Mitglieder der Gruppe wurde zwischen 2020 und 2021 vor Gericht verhandelt. Weiland, wie auch seinen Mitstreitern Steve Weinhold, Marco Klingner und Robin Brand, wurde die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen und letztlich auch nachgewiesen. Brand war am 07.03.2026 auf der Fight Night in Teutschenthal schon frühzeitig anwesend und half beim Aufbau im Gemeindesaal. Klingner und Weinhold führten später eine größere Gruppe von Personen aus dem Hooligan- und Ultramilieu in Richtung des Einlasses des Events. Diese war auch für den Kampf von Cedrik Dellit gekommen, der für den „Fightclub Erfurt“ antrat, den es offiziell als Gym aber gar nicht gibt. Vielmehr dürfte es sich um eine Umschreibung handeln, mit der die rechte Erfurter Hooliganszene gemeint war. Dafür spricht auch, dass Robin Brand in Teutschenthal als Coach von Dellit auftrat. Aus der Erfurter Szene war zudem Till Maschke als Besucher angereist, der ebenfalls dem „Jungsturm“ angehörte.

In der Erfurter Besuchergruppe befanden sich in Teutschenthal außerdem Personen in Bekleidung der neonazistischen Hooliganszene von ZSKA Sofia aus Bulgarien. Besonders zu der dort aktiven Gruppe „Animals“ unterhalten die Erfurter Hooligans eine jahrelange Freundschaft. Derartige internationale Beziehungen pflegen auch die Anhänger der Ultra- und Hooliganszene des HFC. Vor allem zur extrem rechten Fanszene von Ùjpest Budapest (Ungarn) bestehen Verbindungen, die durch gegenseitige Besuche gestärkt werden. Das auch hier die Politik eine Rolle spielt, beweist u.a. der in der Hallenser Fanszene aktive Christian Zeuner. Auf Social Media posierte er im Dezember 2025 mit einem Shirt seiner ungarischen Kameraden, das den Schriftzug „Ùjpest against Leftside“ und eine Abbildung Adolf Hitlers zeigte. Zeuner war ebenfalls Besucher des Kampfsportevents in Teutschenthal und trug dabei, wie auch einige andere Personen, ein Shirt der rechten Fanszene von Ùjpest Budapest.

Mit den Anhängern eines anderen ungarischen Vereins, den neonazistischen „Kispest Hooligans“ des Budapest Honvéd FC, ist wiederum die Ultra- und Hooliganszene des FC Energie Cottbus verbunden. Repräsentiert wurde das von Neonazis dominierte Fußballmilieu aus dem Süden Brandenburgs im Ring in Teutschenthal maßgeblich von Hans Krüger – Mitbetreiber der „Gladiator Fight Academy“ in Halle (Saale) – sowie Leon Hoff und Justin Scheppner, der kurzfristig für einen anderen Kämpfer einsprang. Hoff wurde für seinen Kampf im „Kampfsport-und Athleticcenter Calau“ und im Gym „Kampfsport Lausitz“ in Cottbus vorbereitet. Die Headcoaches der beiden Gyms, Mario Schulze und William Puder, waren in Teutschtenthal ebenfalls vor Ort. Puder gehört aktuell dem „Hells Angels MC East Block“ an und kann auf eine lange Karriere in der Neonazi-Hooliganszene in Südbrandenburg zurückblicken.

Nicht nur aus dem rechten Hooliganmilieu, sondern auch aus der „klassischen“ Neonazi-Szene waren Personen zur Premiere der „Gladiator Fight Series“ gekommen. Etwa Felix Stiller aus dem Raum Halle und Oliver Fischer aus Dessau. Beide stammen aus der lokalen Kameradschaftsszene und gehörten in Sachsen-Anhalt bis mindestens 2020 der extrem rechten Trainingsgruppe „Fightclub 062“ an. Die Gruppe trat bis zum letzten Event im Jahr 2019 als offizieller Unterstützer Neonazi-Kampfsportevents „Kampf der Nibelungen“ (KDN) auf. Stiller ist aktuell zudem Mitglied im rechten „Underdogs MC Eastside“. Er wie auch Fischer gehören zum engsten Freundeskreis von Dominic Exel. Dieser kämpfte auf dem Event in Teutschenthal als Vertreter der „Gladiator Fight Academy“ und gehört seit wenigen Jahren zur aktiven Hooliganszene des HFC. Als Oliver Fischer im September 2024 bei der rechtsoffenen Kampfsportveranstaltung „Fight & Defend II“ in Leipzig in den Ring trat, betreute ihn Dominic Exel. Auch Fischer nimmt regelmäßig an Trainingseinheiten in der „Gladiator Fight Academy“ teil. Im Ring in Teutschenthal präsentierte Exel sein NS-verherrlichendes Tattoo auf dem Oberarm: eine Stilisierung des sogenannten „Bandenkampfabzeichens“, das von Adolf Hitler während des Zweiten Weltkriegs an Personen verliehen wurde, die sich im Kampf gegen Partisan_innen und andere Wiederstandskämpfer_innen verdient gemacht haben.

In der Betrachtung des „Fightclub 062“ landet man unweigerlich beim Neonazi-Kampfsportevent „Tiwaz“, das im Sommer 2019 unter konspirativen Umständen in der Nähe von Zwickau in Westsachsen ausgetragen wurde. Dort trat genannter Dominic Exel für den „Fightclub 062“ an. Auch der „Jungsturm“ aus Erfurt hatte damals einen Kämpfer gestellt, den bereits erwähnten Robin Brand. Begleitet wurde er beim „Tiwaz“ von einer größeren Gruppe Neonazi-Hooligans um Marco Klingner und Steve Weinhold. Eine Demonstration ihrer Stärke und ihres Zusammenhalts, wie sie Jahre später kürzlich in Teutschenthal erneut eindrücklich wahrnehmbar war.
Das Logo des „Tiwaz“ und des KDN war auch bei der „Gladiator Fight Series“ zu sehen. Beide Motive prangen als Tätowierungen am Hals von Sven Steiger, genannt „Steaks“. Der aus dem Raum Chemnitz stammende Boxer besuchte die Veranstaltung u.a. mit Robert Käthner, der bereits im Umfeld der 2014 verbotenen „Nationalen Sozialisten Chemnitz“ aktiv war und bis heute Teil der extrem rechten Erlebniswelt ist. Die beiden unterstützten in Teutschenthal offenbar den Kämpfer David Minarik vom rechts-offenen „Ground and Pound Fight Team“ aus Chemnitz, wie in einem Artikel zum Event von „Endstation Rechts“ beschrieben wird.

Auch Sven Huber, der aus dem Raum Gera stammt und an dem Event in Teutschenthal ebenfalls teilnahm, war mit der Chemnitzer Szene um die „Nationalen Sozialisten Chemnitz“ verbunden. Er nahm an Aufmärschen teil und war zudem einer von rund 250 Neonazis und Hooligans, die im Januar 2016 Personen und Geschäfte in Leipzig-Connewitz überfielen. Im Sommer 2018 kämpfte er bei der Premiere des Neonazi-Turniers „Tiwaz“ im sächsischen Erzgebirge. Huber war schon damals in der rechten Fanszene des Chemnitzer FC aktiv, genauer in der Gruppierung „New Society Chemnitz“, die auch unter dem Namen „NS-Boys“ bekannt sind. Bei der Anreise zur Premiere der „Gladiator Fight Series“ war Huber Teil einer Personengruppe, der zudem Nick Eichler, Tom Zimmermann und Philip Stein angehörte. Auch Zimmermann und Eichler werden der rechten Fanszene des Chemnitzer FC zugerechnet. Darüber hinaus betreibt Eichler die in der Fanszene beliebte Marke „Chemnitz Originals“, während Zimmermann als Mitarbeiter des extrem rechten „Jungeuropa“-Verlag bekannt ist. Als der Verlag etwa auf der rechten Buchmesse „SeitenWechsel“ im November 2025 in Halle (Saale) ausstellte, war Zimmermann für das Abkassieren am Verlagsstand zuständig. Der vierte im Bunde in Teutschenthal, Philip Stein, ist indes niemand geringeres als der Geschäftsführer des „Jungeuropa“-Verlags und zentrale Figur der extrem rechten Initiative „Ein Prozent“. Der sich als theoretische Avantgarde der extremen Rechten inszenierende Verlag war in Teutschenthal nicht nur im Publikum vertreten. Mit dem Berliner Neonazi-Hooligan Dorian Hackius reiste einer der Kämpfer der „Gladiator Fight Series“ erst im September 2025 extra nach Freital bei Dresden, um an einem „Jungeuropa“-Verlagstreffen teilzunehmen. Schon im Vorfeld der Kampfsportveranstaltung in Teutschenthal kommentierte der Verlag die Teilnahme von Hackius in den sozialen Netzwerken: „Dori“, dazu ein Muskel-Emoji.

Rechte Hooligans, Neonazis und die sogenannte „Neue Rechte“: eine Melange, zu deren Komplettierung eigentlich nur noch Personen fehlen, die sich in der extrem rechten AfD verdingen. Genau dieser Kreis scheute vor Ort die Kameras, konnte es im Nachgang aber nicht lassen, von der eigenen Teilnahme zu berichten. So veröffentlichte Paul Backmund – AfD-Stadtrat in Halle (Saale), Kampfsportler und Direktkandidat für die AfD bei der kommenden Landtagswahl – auf Social Media ein Bild aus dem Inneren des Gemeindesaals in Teutschenthal am Abend der Fight Night. Zu sehen ist er mit Bendikt Weiß – ebenfalls AfD-Direktkandidat für die kommende Landtagswahl und aktives Mitglied der „Halle Leobener Burschenschaft Germania“ – sowie Fabian Jank, der für die AfD im Landtag in Brandenburg sitzt.

Auch andere AfD-Kommunalpolitiker fanden sich auf dem Kampfsport-Event ein, etwa David Kramer aus Wurzen (Landkreis Leipzig). Gemeinsam mit Benjamin Brinsa war Kramer ab 2020 für die rechte Wahlliste „Neues Forum Wurzen“ (NFW) im dortigen Stadtrat aktiv. Nach dem Aufgehen des NFW in der örtlichen AfD hält Kramer seit der Kommunalwahl 2024 ein Stadtratsmandat für die Partei in Wurzen und vertritt die AfD außerdem im Kreistag des Landkreis Leipzig. Mit seiner Firma „Kramer Kleintransporte“ ist er aktuell Sponsor des „Imperium Fight Team“. Kramers Firma findet sich u.a. auf den vom IFT produzierten Shirts wieder und steht dabei in einer Reihe mit Sponsoren wie „Wilhelm Kachel – Memes für Deutschland“, einem extrem rechten Propagandaprojekt aus den Dunstkreis der „Identitären Bewegung“. Auch der oben bereits erwähnte „Rowdys MC“ ist auf dem Shirt als Sponsor des IFT vertreten. Hier schließt sich der Kreis zu David Kramer, der selbst seit einiger Zeit Mitglied des „Rowdys MC Eastside“ ist. In Wurzen unterhält der Ableger des „Rowdys MC“ um die lokale Neonazi-Größe Thomas Persdorf ein eigenes Clubhaus. Die Zugehörigkeit von AfD-Kommunalpolitiker Kramer zum „Rowdys MC Eastside“ ist nicht nur ein pikantes Detail, sondern bezeugt ein weiteres Mal die fließenden Übergänge zwischen neonazistischen Strukturen und der AfD.

So wie David Kramer waren viele der Gäste der Fight Night bei der Anreise darauf bedacht, ihre Anonymität zu wahren. Besonders die während der Corana-Pandemie von vielen der Anwesenden verhassten Einwegmasken erfreuten sich in Teutschenthal großer Beliebtheit. Etliche Foto- und Filmjournalist_innen dokumentierten das Event an dem Tag, die Polizei setzte sogar eine Drohne ein. Für einige der Anwesenden könnte eine Dokumentation ihrer Teilnahme am Event Konsequenzen haben, denn zu offensichtlich ist der extrem rechte Charakter der Veranstaltung. Dies trifft auch auf Denny Stöber zu, der in Teutschenthal nur anhand seiner Tattoos auf den Beinen identifiziert werden konnte. Stöber war seit den 1990er Jahren in der RechtsRock-Szene aktiv, sang u.a. bei den bekannten Bands „Kampfzone“, „Barricades“ und „Fight Tonight“. Mit Letzterer steuerte er noch 2019 einen Song für eine Solidaritäts-CD bei, deren Gewinn u.a. dem inhaftierten NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben zu Gute kommt. Stöber verschwand danach aus dem sichtbaren Bereich der extremen Rechten. Es wirkte als habe er aufgehört sich als Neonazi zu betätigen – ein großer Unterschied zu einem „Ausstieg“, bei dem sich tatsächlich mit der eigenen Vergangenheit auseinandergesetzt und nachhaltig mit der Szene gebrochen wird. Spätestens 2022 tauchte Stöber dann im Pflegebereich auf und arbeitete in Leuna (Sachsen-Anhalt) in einer Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Aktuell ist er als Tätowierer im Studio „The Hewitt House“ in Halle (Saale) tätig.

Die Zusammensetzung des Publikums in Teutschenthal überraschte nicht. Die Brisanz dessen schien sogar den Behörden im Vorfeld bekannt gewesen zu sein, bedenkt man deren Präsenz am Tag selbst. Und dennoch lief die Durchführung des Events reibungslos und sei ein Erfolg gewesen, glaubt man den Kommentaren in den sozialen Netzwerken. Die rechte Kampfsport-und Hooliganszene war mehr oder weniger unter sich, bestehende Verbindungen konnten gestärkt und die Grundlage für künftige Events geschaffen werden. Der Zusatz „Series“ im Namen der Veranstaltung deutet bereits eine Fortsetzung an. Damit könnte sich ein neues Format in der Region etablieren, ähnlich der „Imperium Fighting Championship“ in Leipzig, auf dem sich Neonazis und rechte Hooligans ungestört im professionellen Rahmen weiterentwickeln und in den Kampfsport-Mainstream einwirken können.
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